„Schlüssel“: Stucki light
Einen Katzensprung hinter dem hochdekorierten Basler Stucki liegt die Edel-Beiz Schlüssel. Der Zuspruch ist zu recht überwältigend
Wem das 2-Sterne-Restaurant Stucki zu abgehoben und zu teuer ist, hat jetzt eine wunderbare Alternative: Den „Schlüssel“ im Zentrum vom nahen Oberwil, wo mit besten, hauptsächlich regionalen Zutaten eine moderne Gasthausküche geboten wird. Inhaberin und Mentorin beider Restaurants ist Tanja Grandits, die zu den besten Köchen Europas gehört.
Das Konzept funktioniert: Der Schlüssel ist bestens ausgelastet und zwar sowohl mittags wie abends.
Traditionsadresse, die von Aussen traditionell wirkt
Ein kluger Schachzug: So werden die zahlreichen Stammgäste, die den Schlüssel von früher kennen, vertraut abgeholt. Im Innern ist das Gasthaus allerdings von renommierten Architekten radikal umgebaut worden: Grosse Fenster erleuchten den Gastraum und grosszügig gestellte Tische verbreiten eine elegante, leicht nordisch kühle Atmosphäre. Dass aber trotzdem im voll besetzten Gasthaus eine herrlich lockere Stimmung herrscht, dafür sorgt der zugewandte männliche Service unter der souveränen Leitung von Edi Magalhaes, der seinen Feinschliff beim Ausnahmegastronomen Andreas Caminada in Fürstenau erhalten hat.
Traditionsadresse, die mit viel Licht im Innern modern ist
Erfreulich: Es gibt ein 4-gängiges Mittagsmenü für 119 Franken, was in Euro rund zehn Prozent mehr bedeutet. Für Schweizer Verhältnisse und für die gebotene Qualität eine faire Offerte. Wobei das Menü höchst flexibel individuell gestaltet werden kann.
Das Menü startet mit Nüsslisalat, die Schweizer Bezeichnung für die kleinen Blätter des Feldsalats. Sieht wunderbar aus, schmeckt auch nicht schlecht, wobei zwei kleine Schönheitsfehler stören: Die Nüssliblätter sind viel zu gross, wie so etwas richtig geht, ist auf dem legendären Wochenmarkt im benachbarten Lörrach zu besichtigen. Und: Mir ist die Marinade etwas zu süss geraten.
Hasenohren statt Nüssli: Blätter des Salats
Erfreulich bei den Getränken: Es gibt jeweils einen Weissen, einen Rosé, einen Roten vom herausragenden Weingut Klus 177 bei Basel. Das Besondere: Die nicht überteuerten Tropfen werden zukunftsträchtig biodynamisch ausgebaut. Das gilt auch für den von mir gewählten Rosé Brut Nature für 14 Franken das Glas. Ein trockener Sekt, der aber herrlich „weinig“ zu trinken ist und überraschend gut auch zur sämigen Rübli-Suppe passt.
Bestes aus Basel: Schaumwein vom Weingut Klus 177
Marten Harder, der Küchenchef, versteht sein Handwerk aus dem Effeff. Das zeigt das phänomenale Hauptgericht, drei richtig grosse, absolut perfekt gebratene und saftige Stücke von der Lammhüfte. Wobei das Fleisch erfreulicherweise von einem nahen Hof stammt. Stimmig dazu knackiger Federkohl, also Grünkohl, sowie Petersilien-Polenta und alles umschmeichelt von einer intensiven und trotzdem leichten Sauce. Gekrönt wird das Menü von einem herausragenden Dessert auf Basis von Zitrusfrüchten, wo das Spiel von Süsse, Säure, fest und flüssig hinreissend ist.
Mit voller Berechtigung wird das Gasthaus im renommierten Guide Michelin sehr lobend erwähnt.
Fazit: Ein vorbildlicher Landgasthof.
Grandioses Hauptgericht: Einheimisches Lamm, perfekt zubereitet
Restaurant Schlüssel Hauptstrasse 41 CH-4104 Oberwil. Mittwoch bis Samstag mittags und abends sowie sonntags bis 16 Uhr. +41 61 511 92 29 www.schluesselgrandits.ch