„Kluth“: Erdverbunden
Zwei bestens ausgebildete Gastronomen betreiben im quirligen Kölner Viertel Ehrenfeld ein Gasthaus, das mit einfallsreichen Gerichten überzeugt
Typisch für viele ehemalige Kölner Arbeiterviertel ist Ehrenfeld. Es ist eine bunte Mischung aus szenig und schmuddelig. Die Hansemannstraße passt in dieses Schema: Erst ist es düster, dann leuchtet plötzlich ein helles Wirtshausschild „Kluth“. Seit 2025 haben hier Hannes Radeck und Kevin Rademacher eine Gaststätte im schlichten, angesagten Look, die gut floriert und oft ausgebucht ist.
1b-Lage, 1a-Küche: Szenerestaurant Kluth
Offeriert wird ein 6 Gang Überraschungsmenü für 85 Euro. Weil wir nur einen Tisch nach 20 Uhr bekommen haben, wählen wir lieber drei Gänge a la Carte: Salty Snacks, Agnolotti und Bresse Huhn. Sehr erfreulich sind die Salty Snacks für 9 Euro, eine bunte Mischung aus Koji (ein japanischer Pilz), Austernsaitlingen, Flower Sprouts (eine beliebte, auch von mir geschätzte Kreuzung aus Grünkohl und Rosenkohl), Schwarzem Chili, Topinambur und Zwiebel. Das klingt verwegen, schmeckt aber erstaunlich harmonisch. Perfekt dazu passend ein fadengrader Riesling vom etablierten Moselwinzer Clemens Busch.
Während wir den Moseltropfen genießen, lassen wir den bestellten Rotwein öffnen, damit er Luft zum Reifen bekommt. Eine sinnvolle Maßnahme für den 57 Euro teuren 2021er Zweigelt vom Wiener Vorzeigegut Hajszan Neumann, denn er entfaltet sich erst im Laufe des Abends.
Braucht das Dekantieren: Zweigelt aus Wien
Als bester Gang des Abends entpuppen sich die Agnolotti für 24 Euro. Die Pastasorte, die nur aus EINEM umgeklappten Teigstreifen besteht, ist äußerst raffiniert gefüllt mit Schwarzwurzel, Sherrypflaume und einem Pilz. Keine Ahnung, welcher das ist. Macht aber nichts, denn dieser süffige Gang würde auch bei jedem gehobenen Italiener bella figura machen. Ein vielschichtiger Gang, der aufblitzen lässt, dass die beiden talentierten Köche ihren Feinschliff bei dem Kölner Zwei-Sterne-Restaurant Ox und Klee erhalten haben.
Der beste Gang des Abends: Raffiniert gefüllte Agnolotti
Groß sind die Erwartungen nach diesen beiden formidablen Gängen, gepaart mit dem immer besser schmeckenden Wein. Vielversprechend sind auch die ersten Happen des Huhns für 31 Euro: Vor allem die Zubereitung des Lauchs begeistert, weich und trotzdem mit dem perfekten Biß. Auch die nussummantelte Variation der Leber ist großes Kino. Bleibt das Huhn – und das schmeckt leider nicht nach Bresse, sondern eher nach Press. Statt saftig-schmackig, geht es in Richtung trocken-ledrig – und auch die exzellente Sauce kann den Gang nicht retten. Egal, kann passieren.
Empfehlung für diese bemerkenswerte Neueröffung: Wohl eher das besser vorbereitete Überraschungsmenü nehmen. Auch weil dann die Kreationen des preisgekrönten Patissiers Hannes Radeck ihren großen Auftritt haben. Spannend eine auch am Platz ausliegende Liste, die zeigt, woher Produkte stammen (viel Erdverbundenes aus der Umgebung), und was alles selbst gemacht wird, etwa gepickelte Gemüse.
Fazit: Ein interessantes Gasthaus, das seinen Weg machen wird.
Kluth, Hansemannstrasse 33, 50 823 Köln. Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr. 0221/57 03 88 41 kluth-restaurant.de
Beste Beilagen, belangloses Fleisch: Huhn