Le Comptoir

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„Le Comptoir“: Edle Kneipe

Kulinarische Raffinesse mitten in Saarbrücken

Ausschließlich ein fünfgängiges Menü wird hier ausschließlich abends serviert. Beste, vielfach regionale Produkte, souveräne Kochkunst und attraktive Preise machen den Besuch im schlicht-eleganten Restaurant zum Erlebnis.

Klare Ansage: Hier kocht der Chef

Mit allen gastronomischen Wassern von Saarbrücken gewaschen ist Jens Jakob: Der heute 54jährige wirkte hier in Kneipen, war in leitender Funktion beim besternten Restaurant Erfort, hatte selbst einmal einen Zwei-Sterne Laden. Mal gingen die Geschäfte gut, mal weniger – und jetzt endlich seit rund zwei Jahren hat er wohl seine Mitte gefunden, das „Comptoir“. Das heißt übersetzt Theke – und eine edelstählerne Theke ist auch das Herzstück des Lokals in der schlichten Försterstraße mit ihren bezahlbaren Mieten. Prinzipiell ist alles so angelegt, dass er den Betrieb auch weitgehend alleine stemmen könnte, ein zukunftsträchtiges Konzept.

Hat seinen Platz gefunden: Jens Jakob

Fulminanter Auftakt des Menüs ist ein Gericht, das locker aus der höchsten Sterneküche stammen könnte. Eine Scheibe Entenleber, genial komponiert: Basis ist ein Früchtebrot, darüber roh marinierte Entenleber, dann Entenmousse und irgendwo versteckt sich auch noch Schokolade. Gekrönt wird das Meisterwerk von Kirschgelee. Das schmeckt fantastisch und hat für die Küche den Riesenvorteil, dass es sich perfekt vorbereiten lässt.

Bistroküche auf Sterneniveau: Entenleber mit Kirsche

Welcher Wein passt zu so einem ausgefallenen Gericht? Leider nicht der, den ich ausgesucht habe, ein trockener weißer Rhonewein aus der Rebsorte Viognier, die relativ säurearme Weine mit einem zarten Honigduft hervorbringt, was aber perfekt die weiteren Gänge begleitet. Zur Entenleber hätte es ein edelsüßer Tropfen sein müssen. Oder halt stilles Wasser, was ich getrunken habe.

Hat wenig Säure und duftet zart: Condrieu aus der Viognier-Traube

Salat, wie kannst du begeistern! „Salade Nicoise“ heißt die höchst komplexe Melange, die wunderbar stimmig schmeckt, wo fast rohe Bohnen und Kartoffeln ein kulinarisches Stelldichein geben, wo Kapern und Sardellen neckisch grüßen und eine stimmige Avocadecreme behutsam amalgiert. Perfekt angebratener Thunfisch rundet alles ab. Gerade bei so einem scheinbar schlichten Gericht zeigt sich der Könner.

Scheinbar wilde Melange harmonisch balanciert: Salade Nicoise

Wenn ein schlichtes frittiertes Hühnerei von glücklichsten Hühnern mit grünem Spargel und Beurre Rouge zum kulinarischen Ereignis wird, dann ist ein wahrer Meister am Werk.

Voll besetzt ist an einem Samstag Abend die Theke und auch die wenigen Tische, insgesamt knapp 30 Personen. Die charmante junge Kellnerin und der erfahrene, langjährige Mitarbeiter David Schaumberg, der aber inzwischen hauptsächlich in Versicherungen macht, sind permanent in Bewegung, ohne in Hektik zu verfallen. Zwischen winziger Küche und Gästen pendelt pausenlos Jens Jakob, der immer wieder auch mit Gästen plaudert. Da ist einer, den in der Gastronomie nichts mehr aus der Ruhe bringen kann.

Vom Einfachen das Beste: Frittiertes Hühnerei

Ein kleines Highlight beschließt den Abend, weil wir das Dessert weglassen: Kalbsrücken mit einer Kräuterkruste. Nicht schlecht, aber viel spannender ist die vegetarische Komponente, nämlich ein grandioses Erbsenpüree mit Karotten und Pfifferlingen. Alles wird furios verbunden durch eine Jägersoße, die hier natürlich stilvoll Sauce Chasseur heißt. Das ist eine Küche, die zukunftsoffen Richtung vegetabil tendiert, und die mich in ihrer raffinierten Schlichtheit an den Schweizer Drei-Sterne-Meister Andreas Caminada erinnert.

Runde 100 Euro kosten die vier Gänge (einschließlich einem herrlichen Tomatengang zu Beginn). Möglich machen diesen attraktiven Preis mehrere Faktoren: Es gibt zwei Monate lang nur ein Menü, was wunderbar zu kalkulieren ist; die Zahl der Gäste ist bekannt, Ausschuss also ausgeschlossen; alle starten gleichzeitig, was Servicekosten minimiert. Natürlich ist das ein singuläres Konzept, was kaum skalierbar ist. Trotzdem: Eine der möglichen Zukünfte der Gastronomie.

Zufrieden gehen wir ins Hotel – und schlafen unruhig. Denn stundenlang nerven Testosteron strotzende junge Männer mitten in der Stadt mit lautem Motorenlärm. Mich erinnert das an die legendäre Aufführung der „Sommergäste“ von Maxim Gorki in der „Schaubühne am Halleschen Ufer“. Auch da nervten aufrührerische Bauern mit Lärm – und Bruno Ganz sagte seinen berühmten Satz: „Ich bin so müde“. Es war die Müdigkeit einer erschöpften Gesellschaft, die bald darauf hinweggefegt wurde.

Sind wir auch müde?

Le Comptoir Försterstraße 15, 66 111 Saarbrücken. Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr 30. 0681/83 90 78 86. http://www.lecomptoir-saarbruecken.de

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