Vendome: Landpartie

Vendome: Landpartie 2560 1684

Vendome: Landpartie

Eines der besten deutschen Restaurants ist in Bensberg bei Köln

Wer von Köln eine runde halbe Stunde in den Bergisch Gladbacher Stadtteil Bensberg fährt, betritt eine andere Welt: Statt der Hektik der Großstadt wartet hier eine entspannte, fast ländliche Ruhe. Und es wartet ein preisgekröntes Rathaus von dem bedeutenden neuzeitlichen Baumeister Gottfried Böhm. Direkt daneben thront das ehemalige Schloss, das seit Jahren ein luxuriöses Grandhotel der auf besonders prächtige Etablissements spezialisierten Althoff-Gruppe beherbergt. Rechts neben dem Hotel ist das mit zwei Sternen ausgezeichnete Restaurant Vendome.

Prächtige Kulisse für ein feines Hotel: Schloss Bensberg

Joachim Wissler heißt der Koch, der hier 25 Jahre lang wirkte – eine ziemlich einzigartige Erfolgsgeschichte. Nun hat er das Szepter an den langjährigen Souschef Dennis Kuckuck übergeben, der sofort voll durchstartet und zum Auftakt mit vier kulinarischen Miniaturen begeistert. Am besten gefällt mir dabei ein Rote Bete Macaron (ganz links), gekrönt von Rindertatar und Kaviar. Schade nur, dass es auf einen Happs weg ist.

Gelungener Auftakt: Vier begeisternde Miniaturen

Zwei Mal im Monat, meistens am Sonntag, öffnet das Restaurant auch mittags – ein bestens nachgefragtes Angebot. Mir persönlich liegt das sehr, denn je älter ich werde, desto weniger vertrage ich üppiges Essen am Abend. Der Küchenchef hat gewechselt, geblieben ist aber gottlob die eingespielte Brigade unter der souveränen Leitung von Christoph Strahl, dem es gelingt, eine wunderbar entspannte Atmosphäre in die eleganten, lichten Speisesäle zu zaubern. Nichts ist hier zu spüren von der gerne kolportierten Steifheit der Topgastronomie, die von vielen gefürchtet wird. Für das 4 Gang Menü werden am Sonntag Mittag 190 Euro fällig. Natürlich ist das viel Geld. Aber angesichts des Aufwands halte ich es für vertretbar. Wobei ich auch aus dem Genuss und Wein gesegneten Markgräflerland zwischen Basel und Freiburg stamme.

Da mundet die topfrische Gelbschwanzmakrele, die in einer säuerlichen Marinade (Tigermilch) schwimmt, mit gegrillter Auster, Radieschen und Fichtensprossen gleich noch mal so gut.

Schwimmt in einer traumhaft säuerlichen Marinade: Gelbschwanzmakrele

Klein, kleiner, Zander. Eine arg übersichtliche Portion des aus Schweden stammenden Fisches, der schonend konfiert wurde. Leider für meinen Geschmack nicht ganz so perfekt, weil zu durch, wie bei Markus Gruler in der „Seehalde“ bei Überlingen. Sanft umhüllt von weißer Lorbeer Beurre Blanc, Ministückchen von Kalbszunge und Spargel, gesprengelt von Lachskaviar.

Kaviar gesprengelte Beurre Blanc umschmeichlt konfierten Zander

Figur-förderlich: Erst jetzt werden Kohlenhydrate in Form eines herrlichen Brioche serviert. DER Lieferant der Spitzengastronomie für Lamm ist der Gutshof Polting bei Passau. Perfekt zubereitet das Fleisch, und  das Fett ist ein schmelzender Traum. Gekrönt ist das Ganze von einer kalt kontrastierenden Paprika Gremulata. Herrlich intensiv der Jus, der von einem Petersilienring sanft gebändigt wird. Produktküche in höchster Vollendung.

Eine vielschichtige, schwere Rotwein-Cuvee ist Euphonium vom australischen Traditionsgut Stephen Henschel, das größtenteils wurzelechte Reben kultiviert. Zu dem Gericht jedenfalls eine überzeugende Begleitung.

Der beste Gang des Menüs: Lamm aus Niederbayern

Eine spannende Alternative zu Wein sind alkoholfreie Getränke, die Sommelier Dennis Ruhl in einer Hausmanufaktur kuratiert. Ich probiere „Kalte Beeren“, eine Cuvee aus Cassis, Kirsche, Heidelbeere und Schwarztee. Zum Lamm schmeckt mir die Melange zu süß, aber zum nachfolgenden, leider auch viel zu süßen Dessert passt es ideal. Auf jeden Fall ein Weg, der weiterverfolgt gehört.

Getränk der Zukunft: Alkoholfreie Melange

Geeister Gin Basil Smash nennt sich diese herrlich grüne Kugel – ein verflixt gut schmeckender Smash, ein Begriff, der in der Slangsprache mit sexuellen Assoziationen aufgeladen ist.

Grüne Verführung: Gin Basilikum Kugel

Larissa Metz heißt die preisgekrönte Chef Patissière des Vendome. Leider habe ich kürzlich in einer Kölner Zeitung ein Rezept gelesen, wo sie doch tatsächlich an Rhabarber EIN Kilo Zucker gekippt hat. Mir ist schon beim Lesen schlecht geworden.

Viel zu süß ist dann auch ihr Dessert im Vendome, wo ein viel zu süßer roter Spiegel, das darauf angerichtete ein Spaghetti Eis mit gereiftem Parmesan erschlagen hat. An sich eine faszinierende Kombination mit prächtigen Walderdbeeren. Und ich bin überzeugt, es würde mit deutlich weniger Zucker noch viel genialer funktionieren.

Spannendes Dessert mit Parmesan: Spaghetti Eis

Gottlob verzichten wir auf den vorgeschlagenen zuckersüßen Wein aus Österreich und nehmen stattdessen die von Christoph Strahl empfohlene Alternative: Ein 2018er Riesling vom Saarweingut Forstmeister Geltz Zilliken in Saarburg, nicht ganz trocken, aber ein genialer Dessertbegleiter.

Alles bestens also? Nicht ganz, fast vier Stunden für vier Gänge sind entschieden zu lang. Drei Sterne sind das Fernziel von Dennis Kuckuck. Die sehe ich noch nicht, aber es könnte werden. Wobei ich mir dann auch eine größere Auswahl wünsche, nur ein Menü mit vegetarischer Alternative sind zu wenig. Da bietet die auch bei Althoff arbeitende Cornelia Fischer am Tegernsee eine größere Bandbreite, offeriert auch Huchen, Kalbsbries und Stör. Noch überzeugender das Angebot beim traditionellen Elsässer Spitzenrestaurant Haeberlin, wo sogar ein Kuttelsalat auf mutige Entdecker wartet.

Schön wäre es auf jeden Fall, wenn Dennis Kuckuck am Ende des Service kurz seine Gästen begrüßen würde.

Vendome 51429 Bergisch Gladbach. Mittwoch bis Sonntag ab 19 Uhr. +49 2204 42906

Spitzenriesling von der Saar: Forstmeister Geltz Zilliken

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