maiBeck: Herzenssache
Feines Essen, feine Weine, famose Gastgeber
Sie machten alles anders – und sie machen alles richtig: Jan Maier und Tobias Becker gründeten 2013 in direkter Kölner Rheinnähe das maiBeck. Ein Bistrokonzept ohne Schnickschnack, das sich bis heute über viele Gäste freuen kann. Beide waren auch vorher schon erfolgreich: Der Badener Jan Maier hatte in der gehobenen Sternegastronomie gearbeitet. Der Kölsche Jung Tobias Becker hat Lebensmitteltechnik studiert und ebenfalls in der Topgastronomie gewirkt.
Sehr häufig habe ich dieses Restaurant in den letzten Jahren besucht, es auch beschrieben. Es gehört neben der L´Imprimerie in der Kölner Südstadt und der Seehalde bei Überlingen zu meinen Lieblingsadressen. Neulich war ich wieder da – und war wieder begeistert.
Edler Fisch aus der Nordsee: Rohe Gelbschwanzmakrele
Einfache Grundsätze prägen die Küche: Möglichst nur von bekannten Erzeugern kaufen. Soweit es Sinn macht, einheimische Produzenten präferieren. Die Viktualien schonend verarbeiten. Von Köln ist es nicht weit ins holländische Zeeland, wo es einen exzellenten Fischereihafen gibt. Von dort stammt auch die edle Gelbschwanzmakrele, die auf japanisch Hamachi heißt. Nur frischeste Ware lässt sich so wie hier roh verarbeiten. Ideal kombiniert mit Rübstiel, Rhabarber und Kartoffelchips.
Ravioli auf raffinierte Art: Aus Polenta
Ein typisches maiBeck-Gericht: Eine scheinbar bekannte Zubereitungsart wird gekonnt verfremdet. Hier wird ein großes Ravioli aus Polenta, also Maisgries, hergestellt. Das Ganze gebettet auf gedünstetem Kopfsalat und schwimmend in einer herrlich intensiv samtigen Sauce auf Kalbfleischbasis, was küchentechnisch Velouté heißt. Energisch blinzelt auch noch eines meiner Lieblingskräuter, Liebstöckel. Herrlich.
Zu ganz großer Form läuft die Küche beim Hauptgang auf: Der auf den perfekten Punkt gebratene Rücken und das Ragout vom Eifeler Maibock. Stilvoll assistiert von Maiwirsing und grün-gelben (sind dann nicht so süß) Mirabellen. Separat gereichte Roggen-Spätzle runden alles ab. Auch ernährungsphysiologisch ein Traum. Wildes Wild (also nicht gezüchtet) gehört zu den wertvollsten Mitteln zum Leben.
Normalerweise verzichte ich auf das Dessert, weil zu süß. Aber hier mache ich natürlich gerne eine Ausnahme. Denn ich weiß, im maiBeck wird die Süße maßvoll eingesetzt, und es ist mittags, wo der Körper alles noch verarbeiten kann. Erfreulicherweise stammen die Erdbeeren aus Feldern südlich von Köln, sind also brutal regional. Auch hier neben der Buttermilch wieder eine spannende Zutat, nämlich Knöterich. Jung verwendet schmeckt die Pflanze leicht säuerlich und Rhabarber-ähnlich, passt also ideal zu den Erdbeeren.
Heimische Erdbeeren mit einem herrlichen Erdbeereis
Sascha Bauer ist die sympathische und überaus kundige „Weinnase“ im maiBeck. Auch er hat vor seinem Engagement am Rheinufer Erfahrungen in der Spitzengastronomie gesammelt und begeistert immer wieder mit spannenden Entdeckungen zu bezahlbaren Preisen. So ein faszinierender trockener Weißwein aus Griechenland, eine herrlich trinkige trockene Cuvée vom biodynamischen Südtiroler Paradeweingut Alois Lageder. Zum Wild ein kräftiger rheinhessischer Roter von der gerne unterschätzten Portugieser-Rebe. Interessant der Wein zum Dessert, ein süßer Tropfen von der Loire.
Witziges Etikett für einen süffigen Süßwein von der Loire
Einen Stern im angesehenen Guide Michelin hatte das angenehme Restaurant zehn Jahre lang. Seit 2025 leuchtet die Auszeichnung leider nicht mehr, obwohl sich die Küchenleistung nach meiner und der Einschätzung vieler Stammgäste nicht verändert hat und der herzliche Service nach wie vor vorbildlich ist. Das ist schade, denn der Stern ist für internationale Gäste, aber auch für die Gewinnung von dem so wichtigen Personal ein hilfreiches Signal.
Gastfreundlich ist das maiBeck aus zwei Gründen: Zum einen ist alles sehr fair kalkuliert, das hervorragende viergängige Menü kostet pro Person äußerst korrekte 85 Euro, die formidable Weinbegleitung schlägt mit gerade einmal 42 Euro pro Person zu Buche. Auch sind die Öffnungszeiten für ein Restaurant dieser Güte außergewöhnlich. Von Dienstag bis Samstag werden mittags und abends Gäste begrüßt.
maiBeck Am Hof 48, 50667 Köln. 0221/96 267 300. Dienstag bis Samstag mittags und abends offen. www.maibeck-fuerdich.de
Immer noch mit Freude dabei: Tobias Becker und Jan Maier