„Fledermaus“: Wein! Wein! Wein!

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„Fledermaus“: Wein! Wein! Wein!

Eine phänomenale Weinauswahl lohnt die Reise ins Kölner Umland

Wenige Kilometer nordwestlich von Köln liegt Pulheim. Vom dortigen Bahnhof braucht der praktisch vor dem Haus haltende Bus 980 gerade mal zehn Minuten bis zum Ortsteil Sinthern. Ein lohnender Weg, denn dort befindet sich in einem großzügig umgebauten Ziegelsteingebäude von 1868 das äußerst angenehme Gasthaus „Fledermaus“. Im Sommer lockt die prächtige Terrasse mit lauschigen 80 Plätzen und im stilvoll renovierten Innenteil finden 100 Gäste Platz.

Der Eingang zum Weinparadies im Kölner Norden

Seit 1984 werden hier Gäste vorwiegend aus dem nördlichen Umland von Pulheim und den umliegenden Gemeinden wie Brauweiler, Rommerskirchen und Stommeln bedient. Die Orte eint ein solider Wohlstand, was sich auch in gepflegten Gärten und exklusiven Golfplätzen wie Gut Lärchenhof manifestiert. Auch das für seine hochkarätigen Events bekannte Schloss Arff residiert hier.

Rustikale Eleganz dominiert das Innere der „Fledermaus“

Ein Solitär in seiner Mischung aus gediegener Architektur und gepflegt mit Stoffservietten eingedeckten Tischen ist der Gastraum der „Fledermaus“. Dass die Location primär ein Weinhaus sein will, das symbolisieren die vielen dekorativen Weinfässer. In manchen Teilen ist der hohe Raum sogar zweistöckig.

Leider etwas eng geraten: Die Zweiertische

Fast 40 Seiten umfasst die Weinkarte, die speziell bei gereiften großen Tropfen aus Frankreich und Italien zum Besten gehört, was ich kenne. Gut, dass das formidable Angebot im Netz verfügbar ist – was ein bequemes Studium von zu Hause aus erlaubt. Diese „Heimarbeit“ empfehle ich dringend, denn in der Hektik des Gasthauses überfordert das die meisten. Auch ich habe meine „Hausaufgaben“ vorher erledigt und einen sehr erfahrenen Sommelier vom Bodensee gebeten, für mich eine kleine Auswahl zu treffen. Fünf große Franzosen selektierte er für mich in einer Preisspanne von 125 bis 345 Euro, wobei es auch noch teurere gibt. Sicher, das ist viel Geld und für Normaltrinker außerhalb der Vorstellungswelt.

Wobei: Es geht auch günstiger, der abgebildete hervorragende trockene deutsche Riesling vom Paradeweingut Künstler kostet im Offenausschank 7,50 Euro für 0,15 Liter. Ein sehr faires Angebot.

Lässt das Aficionado-Herz höher schlagen: Großer Franzose

Aber natürlich habe ich die relativ beschwerliche Reise in den Kölner Norden angetreten, um von meiner Bodensee-Liste einen herausragenden Tropfen zu trinken. So bestelle ich einen 2008er Calon Ségur aus St. Estèphe im Bordeaux für 125 Euro. Es dauert eine Weile bis der Wein kommt, was wohl daran liegt, dass diese Schätze in einem speziellen Gebäude neben der „Fledermaus“ in einem ideal temperierten Gewölbekeller reifen. Nach einem kurzen Probeschluck bitte ich um Dekantieren, was die äußerst angenehme Kellnerin Sandra Meschke vorbildlich erledigt. Andächtig genieße ich mit meiner Begleitung Schluck für Schluck den überragenden Wein, der nicht einschmeichelnd, der fordernd ist.

Stephan Schmidt heißt der Mann, der diesen animierenden Keller aufgebaut hat. Viel bekomme ich über den ganz sicher sehr kundigen Wein-Enthusiasten nicht heraus. Offensichtlich ist er Weinhändler und im Lokal eher selten anzutreffen. Sei´s drum, ich jedenfalls werde schon bald wieder in der sympathischen „Fledermaus“ anzutreffen sein.

Natürlich wird hier auch gekocht – und sogar frisch, wie mir ein Blick in die Küche zeigt. Das Essen ist solide, etwa die abgebildete Zubereitung mit Spargel und Erdbeeren. Korrekte 46 Euro kostet das Dreigang-Menü. Offensichtlich kommt das Angebot an, denn das Lokal füllt sich im Laufe des Abends mit vielen angenehmen Menschen, darunter auch erfreulich vielen Kindern. Manche wie ich kommen auch vor allem wegen der grandiosen Weinkarte, wie mir die erfahrene Sandra Meschke verrät. Im Netz gibt es natürlich auch kritische Stimmen, worauf ich aber nicht so viel gebe.

Das Fazit fällt insgesamt positiv aus, und ich werde bald wieder kommen. Schließlich stehen auf meiner Bodensee-Liste noch vier weitere Tropfen, die erkundet werden wollen. Mein Schlusswort an den See lautet deshalb: „Danke Fabian“.

Weinhaus Die Fledermaus Brauweiler Straße 39a, 50259 Pulheim-Sinthern. Täglich außer Mittwoch ab 17 Uhr, Samstag und Sonntag ab 16 Uhr. 02238/59600 www.weinhausfledermaus.de

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